Station acht / Caspar

Palmer

Verletzter Narr oder gebildeter Seiltänzer, der seine Outsider-Rolle als Schutzhemd trägt – das lässt sich nicht schlüssig ausmachen. Die Bilder von Caspar sind hintergründig und auf eine verschränkte Art erzählerisch, sie reichern offensichtlich Biografisches an mit Querverweisen zu Literatur, Film, Geschichte und Kunstgeschichte. Sie sind ebenso humorvoll wie tragisch.

Seit seiner Ausstellung im Herbst/Winter 2019 haben die Aktivitäten dieses Randständigen einen Schub bekommen – immer wieder treffen Pakete mit Bildern, Zeichnungen und kleinen Skulpturen bei uns ein.

In dieser Ausstellung halten wir uns an seinen Wunsch, den er auch schon im letzten Jahr geäußert hatte: die Ausstellung wachsen zu lassen „wie verspritzter Hefeteig“. Über eine Zeit von mindestens dreieinhalb Monaten sollen die Räume sich stetig verwandeln, soll die Präsentation einiger weniger Arbeiten zu Anfang immer mehr ergänzt werden, bis eine Dichte entsteht, die „endlich auch einmal etwas Chaotisches hat, nicht immer so hübsch und wohl geformt (…)“.

Diese Idee hat aber nicht nur konzeptionelle Wurzeln, sondern auch ganz prosaische Gründe: Materialmangel, der sich in diesen Zeiten der Pandemie zugespitzt haben mag. In einem seiner maschinengetippten Briefe schrieb Caspar: „(…) schick mir doch Farben und Leinwände, dann male ich dir noch ein paar Bilder, (…)

Solange er uns nicht wieder auffordert, den ganzen Raum voller Weihnachtsbäume zu stellen, soll es uns recht sein.

Auch kommt diese Form den derzeitigen Bedingungen entgegen. Kein Eröffnungs-Paukenschlag, sondern stetig-stille Neuerscheinungen. Nichts ist immer, wie es bleibt, niemand sieht jemals, wie alles war.

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