Station 15 / Tejzt: Direktsicht

Auf der Leinwand ein Gesicht, aufgespannt wie die Leinwand selbst. Der Ausdruck zwischen Freude und Angst. Rot vor Erregung oder vom Skalpell. Die Augen wässrig. Die Schattenzonen der Wangen wie Falten. Der Mund aufgeschnitten.

Die Leinwand ist nicht die begrenzte Fläche des malerischen und sich selbst genügenden Ereignisses. Sie ist Projektionsfläche für ein Darüber und ein Dahinter. Unter dem kryptischen Künstlernamen Tejzt arbeitet gewissenhaft ein junger Maler; misstrauisch gegenüber gängigen Äußerungen und Begriffen ist er auf der Suche nach Erweiterung, nach Berührung, nach Erschütterung, sorgsam schafft er differenzierteste und feinste Farboberflächen, auf dass sie zu Membranen werden – Schwingungsmembranen für die Resonanz des Ungeheuerlichen.

Auch wenn seine Füße in den Kohlen der Realität stecken, sein Sinn reicht bis über die Wolken, wo Weltmodelle funkeln, die den aufgeklärten Bürger vors Hirn stoßen. Hier tritt einer an – noch in der ersten Phase seines Akademiestudiums, aber mit der Lebenserfahrung eines „Alten“, besonnen und belesen – mit den Mitteln der Malerei in Zonen vorzudringen, in denen sich die entscheidenden Fragen nicht mehr aufschieben lassen.

Eröffnung Freitag, 20. Januar, 19 Uhr

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