Uli Gsell, Thomas Witzke – Speicherplätze

Unter dem Titel „Speicherplätze“ versammeln sich magisch und poetisch aufgeladene Orte. Während Uli Gsell (1967 geboren in Stuttgart, lebt in Ostfildern) aus Basaltlava, Granit und Marmor archaische Behausungen fräst, haut und schleift, verwandelt Thomas Witzke (1961 geboren in Heidenheim/Brenz, lebt in Ulm) fotografierte Museums- und Atelierräume in artifizielle Vektorgrafiken. Aufmerksame Fahrradfahrer und Wanderer kennen die Steinskulpturen von Uli Gsell aus dem öffentlichen Raum in der Peripherie Stuttgarts. Seine Skulpturen changieren zwischen Naturobjekt und Kunstprodukt und zwischen abstraktem Augenkitzel und architektonischen Erinnerungen. Mit ihren Eingängen, Ausgängen, Kammern und Steilwänden lösen sie Assoziationen an Ur-Orte aus. Es sind Bühnenbilder, in denen wir in Gedanken als geschrumpfte Abenteurer umher flanieren können. Neuerdings ummantelt Uli Gsell Teile seiner Skulpturen mit metallenen Überzügen und verwandelt sie so in mythisch aufgeladene Relikte und dreidimensionale Malerei.

Aufmerksame Kunst-Fans könnten viele Motive von Thomas Witzke bereits kennen. Ist das hier nicht die Staatsgalerie, und das hier nicht das Atelier von Rupprecht Geiger? Kenne ich diesen gekachelten Tunnel nicht aus dem Hamburger Bahnhof in Berlin? Habe ich diesen Stahlträger nicht im Schauwerk Sindelfingen gesehen? Beim Nähertreten offenbaren sich die vermeintlichen fotografierten Ausschnitte als aufwendig am Computer gezeichnete Vektorgrafiken. Quer durch die Jahrhunderte und die verschiedenen Architekturepochen hinweg hat Thomas Witzke eher unrepräsentative, für ihn persönlich aber aufregende und aussagekräftige Atelier-Ecken und Museumsräume festgehalten. Als künstlich, teils auch steril wirkende Linien-Kompositionen hinterfragen die aufwendig als digitale C-Prints hinter Museumsglas präsentierten Orte die Aura des Genies und Künstlerischen.

Im Projektraum: architektonische Gemälde von Birte Horn, Mark Thompson, Johanna Jakowlev u.a.
Dauer: 16.3.2019 - 11.5.2019, Di-Fr 14-19, Sa 11-16 Uhr (und wenn im Hof die Tür auf ist)
Eröffnung: Freitag 15. März, 19 Uhr; Einführung: Marko Schacher
Lange Nacht der Museen im Galerienhaus: Sa 23.3., 19–2 Uhr (Tour West) inkl. Performances von Jürgen Oschwald und Klanginstallation von Jürgen Palmer

Weitere Informationen und Bilder: www.galerie-schacher.de

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